„Werden und Vergehen“- die Wiederholungsaufnahme einer Windwurffläche im Weltnaturerbegebiet


In einem dichten und dunklen Buchenwald können sich nur wenige Pflanzen auf dem Waldboden behaupten und ohne genügend Licht schafft es kaum eine andere Baumart als die Rotbuche bis in die obersten Kronenschichten vorzudringen.

Dass dieses trostlos klingende Szenario natürlicher Weise nicht auftritt, ist jedem Hainich-Besucher klar. Denn hier tummeln sich viele verschiedene krautige Pflanzen am Waldboden und auch lichtbedürftigere Baumarten finden ihren Platz im Buchenwald. 

Doch wie gelangt das Licht auf den Waldboden, wo doch die Buchenkronen diesen beschatten? 

In einem extensiv bis gar nicht bewirtschafteten Wald befinden sich unterschiedlich alte Bäume in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander. Sobald altersschwache Bäume sterben und dadurch eine Lücke im Kronendach entsteht, wird das Mehr an Licht sofort von jungen Bäumen und krautigen Pflanzen genutzt.

Außerdem passiert es immer wieder, dass ein Baum oder eine Baumgruppe aufgrund eines Sturmes oder eines anderen natürlichen Störereignisses geworfen wird und dadurch eine Lücke entstehen kann. 

Letzteres geschah am 7. Mai 2004, als während eines Sturmes im sogenannten „Weberstedter Holz“ zwei Rotbuchen entwurzelt wurden, welche anschließend eine Esche mitrissen. Das „Weberstedter Holz“ liegt im Kernbereich des Nationalparks und ist geprägt durch einen vielfältigen und naturnahen Laubbaumbestand mit teilweise sehr alten Bäumen. Im Juli 2004 richtete die Nationalparkverwaltung eine Dauerbeobachtungsfläche ein und im gleichen Jahr erfolgten die ersten Vegetationsaufnahmen durch eine Botanikerin. Als die Vegetationsaufnahmen 2009 im Rahmen einer Bachelorarbeit wiederholt wurden, konnten erste Entwicklungen und Veränderungen deutlich gemacht werden. Besonders interessant sind die Aufnahmen auch deshalb, weil das „Weberstedter Holz“ sowie auch die Untersuchungsfläche inmitten der UNESCO-Weltnaturerbe-Fläche liegen und mithilfe verschiedener wissenschaftlicher Methoden wichtige Daten zu den wertvollen Buchenwäldern gesammelt werden können.

Damit mögliche Langzeiteffekte beobachtet werden können, muss die Vegetationsaufnahme in regelmäßigen Abständen wiederholt werden. So fand die zweite Wiederholungsaufnahme im Rahmen einer Bachelorarbeit durch die Studentin Michaela Hildebrand von der Technischen Universität Dresden im August 2016 statt. Erstmals wurde dabei auch der Frühjahrsaspekt im April 2017 aufgenommen.  

Um auch die Dynamik in der Bestandesstruktur vergleichen zu können, führte Michaela Hildebrand ertragskundliche Aufnahmen, terrestrisches Laserscanning und die Aufnahme der Totholzzersetzung durch. Vor allem mit Hilfe des terrestrischen Laserscannings durch einen Mitarbeiter der TU Dresden und deren neuen Scanner RIEGL VZ-400i können in Zukunft vielfältige Aussagen zu den Strukturparametern auf der Fläche getroffen werden.  

Natürliche Störungen wie ein Windwurf sind von großer Bedeutung in einem Naturwald, da sie die Ausbreitung krautiger Pflanzen und eine Sukzession verschiedenster Gehölzarten initiieren. Damit wird eine Dynamik geschaffen, die für den Erhalt und die Förderung der Biodiversität essentiell ist.

 

Michaela Hildebrand & Alisa Klamm