NationalparkZentrum Kellerwald ist barrierefrei und mehrsprachig

Neues 3D-Modell gibt Blinden und internationalen Gästen Einblicke in das UNESCO Weltnaturerbe

 

„Wir möchten allen Besucherinnen und Besuchern des NationalparkZentrums Kellerwald ermöglichen, sich über das Weltnaturerbe Buchenwälder zu informieren. Hierzu zählen auch Menschen mit Behinderung und Gäste aus dem Ausland. Für diese Zielgruppe wurde nun ein einzigartiges 3D-Audio-Modell entwickelt“, erklärte Hessens Umweltministerin Priska Hinz heute im NationalparkZentrum in Vöhl. Hier wurde das 3D-Modell dem Nationalparkbeirat und der Öffentlichkeit vorgestellt. Mit Hilfe von tastbaren Elementen, Sprachinformationen, speziellen Funkkopfhörern und Erläuterungen in Blindenschrift können sich Menschen mit Einschränkungen über die sogenannten Points of Interest des Weltnaturerbes im Nationalpark Kellerwald-Edersee informieren.

 

„Mit diesem Modell wollen wir Blinden und Sehbehinderten den Zugang zu Welterbe-Informationen ermöglichen. Es wurde so gestaltet, dass auch Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer die Möglichkeit haben, nahe an das Modell heranzufahren. Darüber hinaus werden die Informationen mehrsprachig angeboten“, so die Ministerin. Die UNESCO legt großen Wert darauf, allen Menschen Zugang zum „Erbe der Menschheit“ zu ermöglichen. „Die Hessische Landesregierung nimmt diesen Auftrag sehr ernst und hat im Koalitionsvertrag das Recht auf Teilhabe und Teilnahme von Menschen mit Behinderungen festgeschrieben. Daher wurde das barrierefreie 3D-Modell mit Mitteln des Umweltministeriums in Auftrag gegeben“, machte Priska Hinz deutlich.

 

Infos in vier Sprachen

 

Das ästhetisch ansprechende Modell bietet ein Landschaftsrelief zum Schauen, Tasten und Hören. Es veranschaulicht in vier Sprachen – in Deutsch, Englisch, Niederländisch und Französisch – 20 Points of Interest (POIs) zum Weltnaturerbe Buchenwälder. Wenn die Besucher mit der Hand darüber streichen oder Knöpfe drücken, leuchten die aktiven POIs auf und es ertönen die jeweiligen Sprachinformationen.

 

Bei der farblichen Gestaltung wurde Wert auf gute Lesbarkeit gelegt. Die gewählten Kontrastfarben sind speziell für Sehbehinderte aber auch für Menschen mit Rot-Grün-Blindheit geeignet.

 

Das Modell zeigt den Nationalpark und den Edersee, aber nur der Nationalpark ist erhaben. Oberflächen die den Tastsinn ansprechen, sogenannte taktile Oberflächen, und Informationen in Profilschrift und Braille (Blindenschrift) sind für blinde Menschen. Taktil hervorgehoben sind außerdem die Flächen des Weltnaturerbes (tastbar sind kleine Halbkugeln), der Urwaldrelikte (tastbar mit Hilfe von kleinen Kegeln) und der Edersee (tastbar mit Hilfe von Wellen). Weitere Sonderstandorte sind durch Kontrastfarben gekennzeichnet. Außerdem sind die beiden den Nationalpark prägenden Gesteinsarten Grauwacke und Tonschiefer taktil erfahrbar und mit sprachlichen Informationen versehen. Die Rotbuche als Hauptbaumart ist im Modell integriert und haptisch erfahrbar. Für Hörgeschädigte werden zwei regelbare Funkkopfhörer sowie eine Buchse zur Nutzung eines eigenen Kopfhörers vorgehalten.

 

Modell hat integrierenden Charakter

 

Zur Orientierung ist das Modell im Raum eingenordet. Auch der Nordpfeil, der Maßstab sowie die Wahlfunktion der Sprachen sind in Braille und Profilschrift tastbar. Bei der Sprachwahl gibt es einen kurzen Einleitungstest zur Bedienung des Moduls. Auf eine leichtverständliche Sprache sowie eine korrekte Übersetzung wurde großen Wert gelegt. Die einzelnen vorgestellten Themenbereiche sind auf den verschiedenen zum Teil Rollstuhl geeigneten Wanderrouten im Nationalpark auch zugänglich.

 

„Dieses Modell zeigt einmal mehr, dass alle Menschen von barrierefreien Angeboten profitieren. Denn auch für Sehende und nicht hörgeschädigte Menschen und natürlich auch für Kinder ist die Gestaltung sehr angenehm und ansprechend. Dieses Konzept hat daher auch integrierenden Charakter“, betonte Priska Hinz.

 

Ministerin Hinz dankte darüber hinaus ganz besonders Dr. Jürgen Trinkus vom Verein Andersicht e.V. für die intensive Beratung zu den Belangen und Kompetenzen von Blinden und Sehbehinderten, Jochen Brodersen von der Firma Drei-D Formenbau aus der Nähe von Flensburg für die konstruktive Zusammenarbeit sowie der Leiterin des NationalparkZentrums Erika Hofmann für die Koordination des Projekts.