Wissenswertes über Buchenwälder

Buchenwälder – europäische Urwälder

Buchenwälder, so unterschiedlich ihre Standorte und die darin lebenden Artengemeinschaften auch sein mögen, eines haben alle gemeinsam: Es sind beeindruckende Wälder. Das Erscheinungsbild Europas ist von Natur aus durch seine Buchenwälder geprägt. Für einen Großteil der Mitteleuropäer stellen sie daher den Inbegriff von Wald dar.

Buchenwälder im Jahresverlauf

Buchenwälder durchleben im Laufe eines Jahres, aber auch in ihrem gesamten Dasein, sehr unterschiedliche Prozesse und Phasen. Beeindruckend ist im Frühjahr der Teppich an Frühblühern unter dem noch blattlosen Buchenkronendach, ihm folgt der Austrieb des frischen Blattgrüns und eine außergewöhnliche Dunkelheit auf dem Waldboden in den Sommermonaten. Nun wird die Dominanz der Buche deutlich: Nur wenige Arten können in dieser Zeit im Schatten der Buche gedeihen. Mit dem bunten Farbenspiel und dem Blattfall im Herbst zeigt der Buchenwald erneut ein völlig anderes Gesicht.

Lebenszyklen eines Buchenwaldes

Nicht minder imposant sind die Phasen, die ein Buchenwald mit zunehmendem Alter durchläuft. Keimen, enges Gedränge der jungen Bäume in den ersten Jahren, jahrzehntelanges Wetteifern um Platz, Wasser und Licht, Heranreifen zu einem imposanten Baum, gefolgt von Absterben und Zerfall.
Aufgrund von menschlichen Eingriffen und weil Holznutzung erfolgt längst bevor der Zerfall einsetzt, ist uns der Anblick alternder und absterbender Bäume fremd geworden. Aber Totholz gehört genauso zum Leben eines Buchenwaldes wie die kleinen dunkelgrünen Keimlinge, die den Platz des alten Baumes einnehmen.
In naturnahen Buchenwäldern findet man auf derselben Fläche die verschiedenen Altersphasen in unmittelbarer Nachbarschaft. Naturnahe Buchenwälder entfalten eine eigene Dynamik und zeichnen sich durch große strukturelle Vielfalt aus.

Artenvielfalt der Buchenwälder

Zwar sind Buchenwälder schattig und wirken im Sommer dunkel. Im Vergleich zu manchen Laubmischwäldern erscheinen sie in der Tat auch artenarm. Ein naturbelassener Buchenwald ist dies aber keineswegs. Buchenwälder mit einem hohem Anteil an alten Bäumen, stehendem sowie liegendem Totholz bieten einen idealen Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten. In einem solchen Wald sind viele natürliche Höhlen vorhanden, in denen Höhlenbrüter, Fledermäuse und viele andere Lebewesen Brutraum und Unterschlupf finden. Ein wesentlicher Teil der Artenvielfalt in Buchenwäldern kommt zudem erst in den Altersphasen zur ganzen Entfaltung. Der gesamte Regenera­tionszyklus von Buchenwäldern, das heißt die Zeit in der eine Buche heranwächst, Früchte trägt, altert, stirbt und vergeht, umfasst 250 bis 300 Jahre, mitunter sogar noch mehr.

Genau dieser Regenerationszyklus und auch das breite Standortspektrum von Buchen­wäldern ermöglichen das Vorkommen fast aller mitteleuropäischer Baumarten irgendwo oder irgendwann auch im Buchenwald. Somit ist die Gesamtzahl aller Pflanzenarten in den verschiedenen standörtlichen und geographischen Ausbildungsformen des Buchenwaldes bemerkenswert hoch. Eine Vielzahl von Sonderstandorten wie Quellen, Bäche, Kleingewässer, Moore, Felsen, Höhlen oder Blockhalden bereichern zusätzlich die strukturelle Vielfalt des Buchenwaldes.

Die Zahl der Tierarten in Buchenwäldern wird auf bis zu 10.000 Arten geschätzt. Aufgrund seiner Bedeutung für viele, teilweise vom Aussterben bedrohte Arten wurde der Buchenwald bereits 1995 zum Biotop des Jahres gewählt.