Häufige Fragen

Buchenwälder

Von Natur aus wäre die Buche in Deutschland die häufigste Baumart. Zwei Drittel Deutschlands (66 %) wären von Buchenwäldern bedeckt, wenn nicht der Mensch seit dem Mittelaltergravierend eingreifen würde. Heute ist weniger als 5% der Waldfläche Buchenwald! Dies entspricht rund 15% der Waldfläche Deutschlands. Für die biologische Vielfalt besonders wertvoll sind alte Buchenwälder, da alte Bäume und Totholz Lebensraum für viele Arten bieten. Jedoch nur ein kleiner Anteil der Buchenwälder ist älter als 160 Jahre (6%).

Die Gattung Fagus (Buche) ist auf der Nordhalbkugel in den klimatisch gemäßigten Zonen zu Hause und bildet sommergrüne Wälder. Sie untergliedert sich in 11 Arten. Davon kommen allein 7 in Ostasien vor, 2 in Nordamerika und 2 in Europa bzw. Vorderasien (Fagus orientalis und Fagus sylvatica). Die meisten Buchenwälder wurden gerodet und dienen heute als Acker, Siedlungs- oder Verkehrsfläche. Einzig Fagus sylvatica, die Rotbuche, nimmt noch größere Flächen in Mitteleuropa ein, besonders in Deutschland, Rumänien und Slowenien.

Die Buche hat es nach der Eiszeit geschafft, weite Teile Europas zu besiedeln. Diese Dominanz hat sich innerhalb der letzten 4.000 Jahre entwickelt, eine geologisch und evolutionär gesehen extrem kurze Zeitspanne. Dieser ökologische Prozess dauert noch an, die Buche ist nach wie vor in Ausbreitung begriffen. Dies ist ein weltweit einmaliges Beispiel dafür, dass eine einzige Baumart sich durchsetzen und auf großer Fläche dominieren kann.

Planare Buchenwälder sind solche im Tiefland. Die Höhengrenze liegt unter 400 Metern. In Deutschland kommen sie in Schleswig-Holstein, in Niedersachsen, in Mecklenburg-Vorpommern und in Brandenburg vor. Sie sind in den vergangenen Jahrhunderten besonders stark zurück gedrängt worden, da sie auf Grund des relativ ebenen Reliefs leicht für die landwirtschaftliche Nutzung zugänglich waren. Die Reste dieser Wälder sind dadurch besonders schutzwürdig.

In bewirtschafteten Wäldern wird die Buche in der Regel in einem Alter von 120-160 Jahren genutzt, d.h. gefällt. Ihre natürliche Lebensgrenze liegt aber weit höher (250 - 300, z.T. sogar über 400 Jahre). Erst mit zunehmenden Alter werden Buchen dicker, ihr Stamm rissiger, Äste brechen ab, Baumhöhlen entstehen. Hier finden Pilze und Flechten, Kleinsäuger, Insekten und Vögel ihren Lebensraum. Tote Bäume oder Teile davon werden von spezialisierten Arten besiedelt und letztendlich im zersetzten Zustand dem natürlichen Kreislauf übergeben. Wenn in einem unbewirtschafteten Buchenwald ein alter Baum stirbt, macht er Platz für neues Leben. Das kleinflächige Nebeneinander von alten und jungen Waldpartien machen diese Wälder so vielfältig.

Die Buche ist nach der letzten Eiszeit als die letzte unserer heutigen heimischen Baumarten nach Mitteleuropa zurückgekehrt. Ihre Refugien lagen jenseits der Alpen, in den Apennien, im südlichen Balkan und den Pyrenäen. Die Einwanderung erfolgte vor etwa 7 000 Jahren vom heutigen Slowenien aus über die Ostalpen, das Donautal und Böhmen bis in das norddeutsche Tiefland und von dort über Dänemark nach Südschweden. Die Wanderung der Buche ist bis jetzt nicht abgeschlossen und wird sich im Zuge von Klimaveränderungen fortsetzen.

In Buchenwäldern ist die Buche die herrschende Baumart und kann über 90 % der Baumschicht einnehmen. Die Buche duldet auf den meisten Standorten kaum eine Baumart neben sich, d.h. sie ist die Gewinnerin beim Kampf um das Licht. Sie vermag wie kaum eine andere Baumart Lücken im Bestand durch Auffüllen ihrer Krone in kurzer Zeit wieder zu schließen. Sie macht das Kronendach wieder dicht und andere Baumarten verkümmern durch zu wenig Licht. Sie selber kann besonders in der Jugend sehr viel Schatten vertragen. Junge Buchen lauern in der schattigen Unterschicht sehr lange und schießen bei einer Auflichtung nach oben. Buchen sind auch darum so erfolgreich, weil sie eine große standörtliche Bandbreite besitzen. Bis auf sehr sauren und sehr trockenen Böden können sie bei uns nahezu überall wachsen. Auf einem Hektar können zwischen 300 und 400 Buchen stehen, außerdem mehrere 1000 Jungpflanzen.

Die Wälder im Norden sind relativ jung. So entwickelten sich auf Jasmund Buchenwälder erst vor 800 Jahren. Dagegen sind in den Mittelgebirgen die Buchenwälder bereits mehrere 1.000 Jahre alt. Es ist davon auszugehen, dass Hainich und Kellerwald seit dieser Zeit von Buchenwäldern bestockt sind.

Einschreibung als Welterbe

Die Entscheidung, ob eine vorgeschlagene Kultur- oder Naturstätte in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen wird, fällt das Welterbekomitee anlässlich seiner jährlichen Sitzung. Das Komitee besteht aus 21 gewählten Mitgliedern (Staaten), die möglichst alle Kontinente und Kulturkreise repräsentieren. Um in die Welterbeliste eingeschrieben zu werden, müssen die vorgeschlagenen Stätten die Kriterien erfüllen, die in den Durchführungsrichtlinien der Konvention festgelegt sind. Die Beratungsorganisationen IUCN (Naturerbe) und ICOMOS (Kulturerbe) legen dem Komitee vor der Entscheidung einen Bericht vor, der das Ergebnis der Überprüfung der Erfüllung der Kriterien enthält.

Beschränkungen für Anwohner (und Besucher) über das bisherige Maß hinaus gibt es nicht. Das bedeutet, wenn eine Fläche vor der Aufnahme in die Welterbeliste unbeschränkt betreten oder auf einem Wanderweg durchquert werden konnte, ist dies auch weiterhin möglich.

Nein. Die jetzt eingeschriebenen Buchenwälder haben bereits als Nationalparke bzw. Kernzone eines Biosphärenreservates ausreichenden Schutz und sind nutzungsfrei. Zur Integrität und langfristigen Sicherung wurde im Nominierungsverfahren ein Managementplan erarbeitet. In diesem wurden Maßnahmen festgelegt, die den Erhalt und den Schutz der Welterbestätten sichern. Dazu gehört auch die Planung von Angeboten, um Besuchern das Kennenlernen der Gebiete zu ermöglichen.

Die Anerkennung als Welterbestätte bedeutet einen enormen Imagegewinn für die einzelnen Gebiete und ihre Regionen. Gäste aus dem In- und Ausland wollen die Weltnaturerbestätten kennen lernen und die Region wird für jetzige und zukünftige Einwohner attraktiver. Dies wird in der Regel zu einer Zunahme des naturnahen Tourismus führen und damit zu einer Erhöhung der Wertschöpfung von regionalen Gewerbetreibenden und der Tourismusbranche.

Mit der Einschreibung ist keine Geldsumme verbunden, sondern ein Titel und eine Auszeichnung. Die Effekte dieser Auszeichnung sind aber so groß (z.B. durch gesteigerten Tourismus, erhöhte Wertschätzung, höhere Priorität bei Fördermittelprogrammen etc.), dass die Ernennung sich indirekt auch finanziell deutlich bemerkbar macht.

Ja. Falls ein Gebiet nicht mehr die Qualitäten hat, weswegen es in die Liste eingeschrieben wurde, kann das Welterbekomitee zunächst das Gebiet auf die Liste des gefährdeten Welterbes setzen und dann – falls keine geeigneten Maßnahmen zur Sicherung der Qualität getroffen werden – den Titel wieder aberkennen (was bisher in 2 Fällen weltweit erfolgte).

Nein. In die Welterbeliste eingeschrieben wurden die wertvollsten Teile der fünf Schutzgebiete. Es sind die Teile, die am längsten nutzungsfrei sind und schon am weitesten auf dem Weg zum „Urwald“ befinden. Dort wachsen auch die ältesten und dicksten Bäume.