Gemeinsame Pressemeldung der Landesforsteinrichtung Eberswalde und des UNESCO-Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin , Oktober 2017, zu den Auswirkungen der Stürme am 5. und 12./13. Oktober auf das Weltnaturerbe-Gebiet „Buchenwald Grumsin


Sturm „Xavier“ hinterließ Spuren im Buchenwald Grumsin

Das am vergangenen Donnerstag über Brandenburg gezogene Sturmtief hat auch im UNESCO-Weltnaturerbe Grumsin eindrückliche Spuren hinterlassen. Der Sturm fräste ganze Schneisen in den bisher relativ dicht geschlossenen Buchenwald. Oft riss eine stürzende Buche gleich mehrere andere mit sich mit.

Die streng geschützten Flächen sind auf Grund ihrer Exposition besonders anfällig -  schließlich ragt die Erhebung des Grumsins prägnant aus der umliegenden Landschaft heraus. Hier konnte der Wind besonders gut angreifen. Aber auch auf Grund des durch die Niederschläge aufgeweichten Bodens und der noch vollen Belaubung der Buchen hatten auch sehr alte und vitale Buchen keine Chance. Das ganze Ausmaß des Sturmgeschehens ist bis jetzt nicht zu überschauen – viele Teilflächen sind gar nicht zugänglich.

Während der Sturm und seine Folgen für viele Waldbesitzer einen großen wirtschaftlichen Schaden bedeutet, ist das in einem nicht mehr genutzten Naturwald wie dem Grumsin anders. Hier kann man gar nicht von Schäden sprechen, denn Sturmereignisse gehören zum Entwicklungszyklus eines Urwaldes und sind Triebkräfte für seine Entwicklung. Was sich für den Menschen als ein Chaos darstellt, ergibt in der Natur einen Sinn. Durch Würfe und Brüche entstehen Lücken im dichten Kronendach und eine neue Waldgeneration bekommt durch das unverhoffte Lichtangebot eine Chance. Der Wald kann sich verjüngen. Aber auch durch die massive Zunahme von Totholz, welches hier selbstverständlich nicht beräumt wird, bekommen viele holzzersetzende Pilze, Insekten, Kleinsäuger und Vögel neue Lebensräume. Die biologische Vielfalt steigt sprunghaft an.

Vor einem Spaziergang auf den ausgeschilderten Wanderwegen der Weltnaturerbeflächen muss jedoch in diesem Herbst dringend gewarnt werden. Noch hängen viele Bäume in Schräglage und können jederzeit fallen oder es kann auch zu Nachbrüchen kommen. Das bedeutet akute Gefahr für die Waldbesucher. Bitte haben Sie dafür Verständnis!   

Dr. Michael Luthardt