Wissenschaftler bringen den Wald im Nationalpark Hainich zum Sprechen


Das Grunzen der Wildschweine, der bellende Warnruf der Rehböcke und natürlich das vielfältige Zwitschern, Trällern, Trommeln und Pfeifen der unzähligen gefiederten Waldbewohner: Zusammen mit vielen anderen Geräuschen bilden diese Klänge die Hintergrundmusik des Waldes. Doch klingt dieses Konzert in allen Teilen des Waldes gleich, oder gibt es sogar Bereiche, in denen der Wald stumm ist? Haben vielleicht die Baumartenvielfalt und deren Artenzusammensetzung Einfluss auf die Diversität und Aktivität der örtlichen Tierwelt? Genau das versuchen Forscher der Royal Holloway University of London mithilfe einer akustischen Erfassung im Rahmen des „FunDivEUROPE“ - Projektes im Nationalpark Hainich herauszufinden.

Bei dem europaweiten Großprojekt (weitere Infos unter: www.fundiveurope.eu) werden sechs große Waldflächen in ganz Europa – von Spanien bis hinauf nach Finnland – unter die Lupe genommen. Die Wissenschaftler erhoffen sich hiermit vor allem neue Erkenntnisse über die Auswirkungen der Artenvielfalt auf das Ökosystem Wald. Die akustische Erfassung im Nationalpark Hainich ist Teil des Projektes und leistet somit einen internationalen Beitrag für das bessere Verständnis unserer heimischen Wälder und deren Bewohner.

In der ersten Maiwoche dieses Jahres begaben sich Richard Beason und sein Team aus London in den Buchen(Ur-)Wald des Nationalparks Hainich, um die Aufnahmetechnik für ihre akustische Erfassung anzubringen. Der von Bärlauch übersäte Waldboden strömte einen knoblauchartigen Geruch aus, während vom Himmel dicke Regentropfen fielen. Das Frühjahr ist die beste Zeit, um die Rekorder im Wald anzubringen, erklärt Beason. Vor allem die Vögel gäben während der Paarungszeit im Frühling mehr Laute von sich als in den anderen Jahreszeiten. Für die Aufnahme der Tierstimmen nutzt Beason spezielle Sound-Rekorder, die er in etwa 3m Höhe an einem Baum befestigt. Hier werden sie bis Mitte Juli hängen und die Stimmen des Waldes aufzeichnen. Bei der anschließenden Auswertung können die Forscher Störgeräusche wie Wind, Regen oder Zivilisationslärm herausrechnen, sodass am Ende nur die Tierstimmen übrig bleiben. Insgesamt 38 Rekorder wurden an verschiedenen Stellen im Nationalpark – unter anderem in der UNESCO-Weltnaturerbe-Zone –angebracht.

Bei all der vermeintlichen Überwachung des Waldes brauchen sich die Besucher des Nationalparks jedoch keine Sorgen zu machen. Die Untersuchungsflächen liegen fernab der Wanderwege und die Forscher interessieren sich lediglich für Frau Elster & Co.

Wiebke Pasligh und Madlen Schellenberg